Keine Frage, es gibt Songs, deren einzige Daseinsberechtigung ist es, einen prima Sommerhit abzugeben. Nicht mehr und nicht weniger. Jedes Jahr gibt es wieder so etwas. Das ist so sicher wie Last Christmas zu Weihnachten.

 

Dass grade Kid Rock dieses Jahr den goldenen Blumentopf damit gewinnt, hätte wohl niemand gedacht. Er wahrscheinlich auch selber nicht, war doch sein All summer long nicht mal als Singleauskopplung geplant. Aber erstens kommt immer alles anders und zweitens als man denkt und so wurde das Lied, das eigentlich ein Mischling aus Sweet home Alabama von Lynyrd Syknyrd und Werewolves of London von Warren Zevon ist, solange von irgendwelchen Radiostationen gespielt, dass es einfach herausgebracht werden musste.

Natürlich kann man nun darüber streiten, wie gut oder schlecht der Song ist. Dazu aber nur eins: er ist von Kid Rock. Das sollte man immer im Hinterkopf haben. Nach gefühlten 385621013558 Mal Hören weil Dauerbeschallung durch sämtliche Radiosender der Republik ist einem aber selbst das egal. Fertig ist die Gartenlaube.

 

 

[Kid Rock Webseite MySpace]

Wunderbarer Pop von Albert Hammond, Jr. aus dem 2006er Album Yours to keep. Dazu ein Video vom Schauspieler Joaquin Phoenix, das wahrscheinlich die Entdeckung der Langsamkeit ist.

Klingt nach den berüchtigten drei “S”: Sommer, Strokes, Seventies. Was will man mehr (vielleicht noch Sonne?).

 

 

[Albert Hammond, Jr. Webseite MySpace]

Es gibt eine Menge Bands, die gehypt werden, jede Woche kommen durch MySpace, die einschlägige Presse und unzählige Blogs neue daher und man verliert in dieser Flut schon mal leicht den Überblick. Vorletztes Jahr waren Tapes ‘n Tapes so eine Band.

 

Nachdem sie nun mit Walk it off den Zweitling veröffentlicht haben, kann man sich fragen, was unter dem Strich von dem Geheimtipp übriggeblieben ist. Offensichtlich nicht viel, die Halbwertszeit eines Hypes scheint immer geringer zu werden und der trendige Indielektuelle vergisst oder ersetzt seine neue Lieblingsband schnell. Denn beim Konzert im Kölner Gebäude 9 gibt es kein Gedränge, keine vollen Hallen. Nur eine Handvoll Jungs und Mädchen in Röhrenjeans hat sich versammelt. Kommt vielleicht auch daher, dass eben Walk it off nicht so recht zu überzeugen wusste. Wo das Debütalbum noch groß auftrumpfen konnte mit wackeligen und knarzigen Zwischentönen, geht dieser Charme des Schrägen auf dem neuen Album etwas verloren.

Mehr Freunde werden die Tapes ‘n Tapes sich auch nicht im Gebäude gemacht haben. Denn sie bleiben blass und farblos, was aber Gott sei Dank zumindest nicht an ihnen liegt. Der Ton bzw die Probleme damit machen ihnen einen gehörigen Strich durch die Richtung. Warum auch immer, aber der Gesang kann nur dann die Instrumentierung überschallen, wenn Josh Grier in das Mikrofon schreit. Zwar kommt das oft genug vor, lässt die Zuschauer aber auch erst im letzten Drittel des Konzerts aufwachen, wenn Tapes ‘n Tapes ihnen Hits wie Manitoba oder In Houston vor den Latz knallen. Das reicht dann auch einfach nicht.

 

Was die Band dazu sagen würde? Keine Ahnung. Aber in The Iliad singen sie “At least we tried to make it.” Sie bemühten sich redlich, aber letzten Endes ohne Erfolg.

 

[Tapes 'n Tapes Webseite MySpace]
[Gebäude 9 Webseite]

Manchmal hat man es als Band nicht leicht. Man wird gezwungen, an einem wunderschönen Samstag abend schon um 19.30 Uhr zu beginnen, nur damit der zu bespielende Club ab 23 Uhr seine Pforten für das Partyvolk öffnen kann. Die Frage ist nun, warum man sich auf so etwas einlässt. Und ob das wirklich eine clevere Idee seitens des Veranstalters war. Denn als Christine Fellows die Bühne betrat, waren doch nur sehr wenige Zuhörer da… was aber auch an der EM liegen könnte, die zeitgleich zu den Weakerthans ihr Eröffnungsspiel ins Rennen schickte.

 

Wie dem auch sei, Frau Fellows a.k.a. Mrs John K. Samson präsentierte sich an Gitarre und Keyboard und zog die gut 30 Zuschauer in ihren Bann. Ein erstes winziges Ausrufezeichen, das auf einen entspannten Abend hindeutete. Fellows unterhielt mit ihren folkigen Songs aus unterschiedlichen Alben sehr gut und bat zu einem Song auch den Drummer der Weakerthans auf die Bühne. Ganz ohne Unterstützung geht es dann halt doch nicht.

 

Ihr folgte, man könnte sagen, der Jens Lehmann des Grand Hotel van Cleef, Felix Gebhard. Neuerdings hat er sein Musikprojekt Home of The Lame zu einer Band formiert, dieses Mal verzichtete er aber auf seine Kollegen und präsentierte seine Songs alleine an der Akustikgitarre. Was bei den alten Liedern als Stärke ausgelegt werden kann, nämlich dass sie kaum mehr brauchen als Stimme und Gitarre, war gleichzeitig auch Schwäche der neuen Songs. Man merkt einfach, dass sie für eine Band geschrieben sind und entsprechende Instrumentierung voraussetzen. War aber alles nicht schlimm, Gebhard machte durch seine Art vieles wett und lieferte auch hinterher am Merchstand wieder einmal den Beweis dafür, dass er sich nicht nur in den Dienst seiner Freunde stellen kann sondern auch, dass er ein unheimlich freundlicher und liebenswürdiger Zeitgenosse ist.

 

Nachdem das Zakk schließlich dann doch noch gut gefüllt war, konnte es mit den Weakerthans weitergehen. Die vier respektive mit Frau Samson fünf Musiker fügten Lieder ihrer drei letzten Alben nahtlos zusammen, wobei die Höhepunkte sicherlich Aside, Left and leaving und die beiden Katzensongs waren. Vor allem letztere sind ja eigentlich so ein Querschnitt durch das Schaffen der Weakerthans. Sie sind ruhig bzw rockig und bieten textlich genau die richtige Mischung aus “aww” und “yeah”, der die Weakerthans charakterisiert. Je länger das Konzert dauerte, desto euphorischer wurden die Lieder aufgenommen, am Ende sangen wohl alle textsicheren Zuschauer mit geschlossenen Augen mit. Gänsehaut garantierte Without mythologies, ein Lächeln zauberte One great city! auf die Gesichter des Publikums, gefreut wurde sich über Confessions of a futon-revolutionist, ein Lied aus dem zu Unrecht leider missachteten Debütalbum Fallow. Die Weakerthans zeigten sich spielfreudig wie eh und je, große Rockerposen dürften nicht fehlen, sind bei ihnen aber eher charmant als lächerlich. Sie dürfen das eben. Nach zwei Zugaben und dem abschließenden Pamphleteer, das Felix Gebhard sich aus der Ferne anschaute, ging aber auch dieser Abend zuende. Nicht ohne eine Menge leuchtender Augen zurückzulassen und den Wunsch, dasselbe noch mal anzuhören. Konzerte von Lieblingsbands sollten nicht nach 90 Minuten vorbei sein. Gott sei Dank hallen sie aber noch lange im Kopf nach, was nicht nur an dem obligatorischen Pfeifton im Ohr liegt.

 

 

[The Weakerthans Webseite MySpace]
[Home of The Lame Webseite MySpace Fotographien]
[Christine Fellows Webseite MySpace]
[Zakk Webseite]

In Woody Allens 39. Film Match Point lernt der Tennislehrer Chris Wilton die reiche Chloe Hewett kennen, die sich in ihn verliebt und in ihre Kreise einführt. Der gesellschaftlich weit unter ihr stehende Chris gewöhnt sich recht schnell an Jagdausflüge, Ausritte und Opernbesuche.

Bei einem Ausflug auf den Landsitz ihrer Eltern trifft er auf die ebenfalls eher mittellose Nola Rice, die mit Chloes Bruder Tom liiert ist. Die amerikanische Schauspielerin hatte grade eine Rolle in einem Werbespot und zeigt kein großes Interesse an ihrer Karriere, was Toms Mutter ärgert. Im weiteren Verlauf des Films hat sie nur ein Casting, das sie aber wegen ihres Lampenfiebers vergeigt.
Chris fühlt sich sehr zu Nola hingezogen, die mit ihrer Weiblichkeit kokettiert und sie einsetzt um zu bekommen, was sie will. Sie gibt Chris gegenüber zu, nur mit Tom zusammen zu sein, weil er sich mit Aufmerksamkeiten sehr um sie bemüht hat. Genau wie Chris nutzt sie die Naivität und Freigibigkeit der Hewetts aus.

Chris verfolgt Nola auf dem Landsitz und beide kommen sich nach einem Streit Nolas mit Toms Mutter näher. Während sie das als einmaliges Erlebnis abtut, will Chris eine Affäre daraus machen. Er ist verrückt nach Nola, die das Gegenteil seiner Frau ist.
Chloe verschafft Chris nach ihrer Hochzeit eine Anstellung in der Firma ihres Vaters, die beiden ziehen in ein riesiges Appartement an der Themse und auch sonst haben sie einen gehobenen Lebensstandard. Bald geht Chloe Chris allerdings auf die Nerven, weil sie mit aller Macht versucht, ein Kind zu bekommen. Sie schleppt ihn andauernd zu verschiedenen Ärzten, misst ständig ihre Temperatur und versucht es mit diversen anderen Praktiken.

Nola und Tom dagegen haben sich sehr zur Freude seiner Mutter getrennt, Nola ist wieder nach Amerika gezogen, kommt aber nach einiger Zeit zurück nach London, weil sie sich dort wohler fühlt. Chris trifft sie unerwartet in der Tate Modern wieder und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die größtenteils während seiner Arbeitszeit tagsüber stattfindet um seine Frau nicht misstrauisch zu machen.

Nach einer Weile wird jedoch unerwarteterweise statt seiner Frau Nola schwanger. Sie drängt Chris, sich zwischen ihr und Chloe zu entscheiden, was Chris jedoch nicht kann. Nola will ihm diese Entscheidung abnehmen und Chloe selber alles sagen. Um das zu verhindern beschließt er, die Affäre ein für alle Mal zu beenden, indem er Nola tötet. Um es als Unfall zu tarnen, erschießt er erst Nolas Nachbarin, deren Wohnung er verwüstet, um dann auf der Treppe Nola umzubringen. Er nimmt einiges an Schmuck mit und will ihn in die Themse werfen, allerdings prallt der Ehering der Nachbarin am Geländer ab und fällt nicht ins Wasser.
Den ermittelnden Beamten der Polizei erscheint es als ein Raubüberfall, bei der Nola nur ein zufälliges Opfer war, das dem Täter auf der Treppe begegnete und deswegen sterben musste.
Unglücklicherweise hat Nola jedoch Tagebuch geführt, was die Polizisten auf Chris Spur bringt. Sie verhören ihn und sehen, dass er zwar das beste Motiv, aber auch ein gutes Alibi hat. Im Traum kommt einer der Polizisten Chris auf die Schliche, am nächsten Morgen findet man aber den Ehering des ersten Opfers bei einem toten Junkie. Damit schließen die Polizisten den Fall als Beschaffungskriminalität ab.

Chris hat noch einmal Glück gehabt, findet privat aber nicht Erfüllung in seinem Leben, obwohl Chloe schwanger wird und er in der Firma aufsteigt.

 

Unter dem Strich bleibt ein Film, bei dem man seinem Hauptdarsteller Jonathan Rhys Meyers nicht näher kommt. Man empfindet zu keiner Zeit Sympathie für den Protagonisten. Chris bleibt immer undurchsichtig, kalt und skrupellos. Er hat sehr gute Manieren und Ausdrucksformen, er liebt zB die Oper und weiß eine Menge darüber; Werte, die er von seinen Eltern beigebracht bekommen hat und die im totalen Gegensatz zu seinem Innenleben stehen. Seine gesellschaftliche Stellung steht über allem, sie ist für ihn das wichtigste und letzten Endes auch der Grund, warum er Chloe nicht aufgibt und Nola und ihr Kind opfert. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen und ist froh über seine neuen Verbindungen und seinen sozialen Aufstieg. So sehr, dass er selbst seine Liebe aufgibt.
Die Rolle des Chris Wilton ist von Woody Allen nahe an der Rolle des Raskolnikow aus Dostojewskis Schuld und Sühne angelegt, er hat ebenso wie der Russe kaum Mitgefühl und stellt sich über die anderen. Allerdings tötet Raskolnikow im Gegensatz zu Wilton um Geld zu bekommen, Wilton will sein Geld behalten, er hat seinen sozialen Aufstieg schon erlebt und hat einen Platz in einer perfekten Welt.
Obwohl er nach den Morden am Rande des Nervenzusammenbruchs ist, ist dies kein Anzeichen der Reue, es ist die pure Angst aufzufliegen. Eine Zusammenfasung seiner “Gefühle” gibt er am Ende des Films in einer Sequenz mit seinen Opfern ab.

Scarlett Johansson dagegen verkörpert die kühle, selbstbeherrschte, blonde Sexbombe aus Amerika perfekt. Im Laufe des Filmes verliert sie allerdings zunehmend ihre Distanz und wird zu einer hysterischen Furie, deren Leben nur auf Chris ausgerichtet ist. Aus der Frau, die alle Männer haben kann, wird eine Frau, die nur einen will. Sie ist auch diejenige, die die Affäre anfangs nicht wollte, um nicht die Familie kaputt zu machen. Aus bescheidenen Familienverhältnissen kommend weiß sie genau um die Bedeutung dessen. Jedoch erliegt sie den Bemühungen Wiltons ebenso wie denen von Hewett davor. Sie braucht jemanden, der ihr Sicherheit geben kann und ihr das Gefühl gibt, geliebt zu werden. Beides findet sie nicht in Chris, verlässt ihn aber trotz allem wegen des Kindes nicht. Außerdem ist er mittlerweile zu ihrer einzigen Bezugsperson in dem fremden Land geworden. Er ist ihre Familie bzw möchte sie eine mit ihm gründen.

 

Allens Match Point ist nicht nur ein Film über die Liebe und die Gegensätze arm-reich, sondern entlässt den Zuschauer auch mit der Frage, wie ehrlich Gefühle sein können. Aus dem (übertriebenen) leidenschaftlichen Begehren eines Mannes, der dies als Liebe definiert, wird eine Emotionslosigkeit geboren, die dazu im krassen Widerspruch steht und eigentlich rein materieller Natur ist. Erfolg im Beruf als Liebesersatz. Liebe als Konsumgut, das keiner braucht.

Home taping never killed music! schreibt der brititische Onlinevertrieb Suck UK auf seiner Internetseite über eines seiner Produkte. Dabei handelt es sich um einen MP3-Stick, der in einer als Tape gestalteten Hülle daherkommt.

 

Mixtape Suck UK

 

Das Prinzip ist ähnlich einfach wie bei einem regulären Mixtape: auf dem beigefügten Stick lassen sich bis zu 64 MB Musik (rund 60 Minuten) speichern. Dieser wird dann in das Mixtape eingesetzt, danach wird das Booklet beschriftet und ab geht die Post an die Liebste oder den, den man als potentiellen Partner ins Auge gefasst hat. Denn mal ehrlich, wer kann heutzutage noch davon ausgehen, dass jemand einen Walkman besitzt? Trotz alledem sollte niemand auf ein Mixtape verzichten müssen, das mehr sagt als tausend Worte.

Schöne Idee und gelungene Umsetzung für die Generation 2.0, die eh keine Zeit mehr für das ganze altmodische Zeugs hat. Keine Sau setzt sich stundenlang hin, bastelt an einer Playlist und versucht dann noch, das Ganze passend auf eine Kassettenseite zu bekommen… so kann man wenigstens versuchen, die gute alte Zeit wiederaufleben zu lassen.

 

[Suck UK Webseite]