In Woody Allens 39. Film Match Point lernt der Tennislehrer Chris Wilton die reiche Chloe Hewett kennen, die sich in ihn verliebt und in ihre Kreise einführt. Der gesellschaftlich weit unter ihr stehende Chris gewöhnt sich recht schnell an Jagdausflüge, Ausritte und Opernbesuche.
Bei einem Ausflug auf den Landsitz ihrer Eltern trifft er auf die ebenfalls eher mittellose Nola Rice, die mit Chloes Bruder Tom liiert ist. Die amerikanische Schauspielerin hatte grade eine Rolle in einem Werbespot und zeigt kein großes Interesse an ihrer Karriere, was Toms Mutter ärgert. Im weiteren Verlauf des Films hat sie nur ein Casting, das sie aber wegen ihres Lampenfiebers vergeigt.
Chris fühlt sich sehr zu Nola hingezogen, die mit ihrer Weiblichkeit kokettiert und sie einsetzt um zu bekommen, was sie will. Sie gibt Chris gegenüber zu, nur mit Tom zusammen zu sein, weil er sich mit Aufmerksamkeiten sehr um sie bemüht hat. Genau wie Chris nutzt sie die Naivität und Freigibigkeit der Hewetts aus.
Chris verfolgt Nola auf dem Landsitz und beide kommen sich nach einem Streit Nolas mit Toms Mutter näher. Während sie das als einmaliges Erlebnis abtut, will Chris eine Affäre daraus machen. Er ist verrückt nach Nola, die das Gegenteil seiner Frau ist.
Chloe verschafft Chris nach ihrer Hochzeit eine Anstellung in der Firma ihres Vaters, die beiden ziehen in ein riesiges Appartement an der Themse und auch sonst haben sie einen gehobenen Lebensstandard. Bald geht Chloe Chris allerdings auf die Nerven, weil sie mit aller Macht versucht, ein Kind zu bekommen. Sie schleppt ihn andauernd zu verschiedenen Ärzten, misst ständig ihre Temperatur und versucht es mit diversen anderen Praktiken.
Nola und Tom dagegen haben sich sehr zur Freude seiner Mutter getrennt, Nola ist wieder nach Amerika gezogen, kommt aber nach einiger Zeit zurück nach London, weil sie sich dort wohler fühlt. Chris trifft sie unerwartet in der Tate Modern wieder und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die größtenteils während seiner Arbeitszeit tagsüber stattfindet um seine Frau nicht misstrauisch zu machen.
Nach einer Weile wird jedoch unerwarteterweise statt seiner Frau Nola schwanger. Sie drängt Chris, sich zwischen ihr und Chloe zu entscheiden, was Chris jedoch nicht kann. Nola will ihm diese Entscheidung abnehmen und Chloe selber alles sagen. Um das zu verhindern beschließt er, die Affäre ein für alle Mal zu beenden, indem er Nola tötet. Um es als Unfall zu tarnen, erschießt er erst Nolas Nachbarin, deren Wohnung er verwüstet, um dann auf der Treppe Nola umzubringen. Er nimmt einiges an Schmuck mit und will ihn in die Themse werfen, allerdings prallt der Ehering der Nachbarin am Geländer ab und fällt nicht ins Wasser.
Den ermittelnden Beamten der Polizei erscheint es als ein Raubüberfall, bei der Nola nur ein zufälliges Opfer war, das dem Täter auf der Treppe begegnete und deswegen sterben musste.
Unglücklicherweise hat Nola jedoch Tagebuch geführt, was die Polizisten auf Chris Spur bringt. Sie verhören ihn und sehen, dass er zwar das beste Motiv, aber auch ein gutes Alibi hat. Im Traum kommt einer der Polizisten Chris auf die Schliche, am nächsten Morgen findet man aber den Ehering des ersten Opfers bei einem toten Junkie. Damit schließen die Polizisten den Fall als Beschaffungskriminalität ab.
Chris hat noch einmal Glück gehabt, findet privat aber nicht Erfüllung in seinem Leben, obwohl Chloe schwanger wird und er in der Firma aufsteigt.
Unter dem Strich bleibt ein Film, bei dem man seinem Hauptdarsteller Jonathan Rhys Meyers nicht näher kommt. Man empfindet zu keiner Zeit Sympathie für den Protagonisten. Chris bleibt immer undurchsichtig, kalt und skrupellos. Er hat sehr gute Manieren und Ausdrucksformen, er liebt zB die Oper und weiß eine Menge darüber; Werte, die er von seinen Eltern beigebracht bekommen hat und die im totalen Gegensatz zu seinem Innenleben stehen. Seine gesellschaftliche Stellung steht über allem, sie ist für ihn das wichtigste und letzten Endes auch der Grund, warum er Chloe nicht aufgibt und Nola und ihr Kind opfert. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen und ist froh über seine neuen Verbindungen und seinen sozialen Aufstieg. So sehr, dass er selbst seine Liebe aufgibt.
Die Rolle des Chris Wilton ist von Woody Allen nahe an der Rolle des Raskolnikow aus Dostojewskis Schuld und Sühne angelegt, er hat ebenso wie der Russe kaum Mitgefühl und stellt sich über die anderen. Allerdings tötet Raskolnikow im Gegensatz zu Wilton um Geld zu bekommen, Wilton will sein Geld behalten, er hat seinen sozialen Aufstieg schon erlebt und hat einen Platz in einer perfekten Welt.
Obwohl er nach den Morden am Rande des Nervenzusammenbruchs ist, ist dies kein Anzeichen der Reue, es ist die pure Angst aufzufliegen. Eine Zusammenfasung seiner “Gefühle” gibt er am Ende des Films in einer Sequenz mit seinen Opfern ab.
Scarlett Johansson dagegen verkörpert die kühle, selbstbeherrschte, blonde Sexbombe aus Amerika perfekt. Im Laufe des Filmes verliert sie allerdings zunehmend ihre Distanz und wird zu einer hysterischen Furie, deren Leben nur auf Chris ausgerichtet ist. Aus der Frau, die alle Männer haben kann, wird eine Frau, die nur einen will. Sie ist auch diejenige, die die Affäre anfangs nicht wollte, um nicht die Familie kaputt zu machen. Aus bescheidenen Familienverhältnissen kommend weiß sie genau um die Bedeutung dessen. Jedoch erliegt sie den Bemühungen Wiltons ebenso wie denen von Hewett davor. Sie braucht jemanden, der ihr Sicherheit geben kann und ihr das Gefühl gibt, geliebt zu werden. Beides findet sie nicht in Chris, verlässt ihn aber trotz allem wegen des Kindes nicht. Außerdem ist er mittlerweile zu ihrer einzigen Bezugsperson in dem fremden Land geworden. Er ist ihre Familie bzw möchte sie eine mit ihm gründen.
Allens Match Point ist nicht nur ein Film über die Liebe und die Gegensätze arm-reich, sondern entlässt den Zuschauer auch mit der Frage, wie ehrlich Gefühle sein können. Aus dem (übertriebenen) leidenschaftlichen Begehren eines Mannes, der dies als Liebe definiert, wird eine Emotionslosigkeit geboren, die dazu im krassen Widerspruch steht und eigentlich rein materieller Natur ist. Erfolg im Beruf als Liebesersatz. Liebe als Konsumgut, das keiner braucht.