Manchmal hat man es als Band nicht leicht. Man wird gezwungen, an einem wunderschönen Samstag abend schon um 19.30 Uhr zu beginnen, nur damit der zu bespielende Club ab 23 Uhr seine Pforten für das Partyvolk öffnen kann. Die Frage ist nun, warum man sich auf so etwas einlässt. Und ob das wirklich eine clevere Idee seitens des Veranstalters war. Denn als Christine Fellows die Bühne betrat, waren doch nur sehr wenige Zuhörer da… was aber auch an der EM liegen könnte, die zeitgleich zu den Weakerthans ihr Eröffnungsspiel ins Rennen schickte.

 

Wie dem auch sei, Frau Fellows a.k.a. Mrs John K. Samson präsentierte sich an Gitarre und Keyboard und zog die gut 30 Zuschauer in ihren Bann. Ein erstes winziges Ausrufezeichen, das auf einen entspannten Abend hindeutete. Fellows unterhielt mit ihren folkigen Songs aus unterschiedlichen Alben sehr gut und bat zu einem Song auch den Drummer der Weakerthans auf die Bühne. Ganz ohne Unterstützung geht es dann halt doch nicht.

 

Ihr folgte, man könnte sagen, der Jens Lehmann des Grand Hotel van Cleef, Felix Gebhard. Neuerdings hat er sein Musikprojekt Home of The Lame zu einer Band formiert, dieses Mal verzichtete er aber auf seine Kollegen und präsentierte seine Songs alleine an der Akustikgitarre. Was bei den alten Liedern als Stärke ausgelegt werden kann, nämlich dass sie kaum mehr brauchen als Stimme und Gitarre, war gleichzeitig auch Schwäche der neuen Songs. Man merkt einfach, dass sie für eine Band geschrieben sind und entsprechende Instrumentierung voraussetzen. War aber alles nicht schlimm, Gebhard machte durch seine Art vieles wett und lieferte auch hinterher am Merchstand wieder einmal den Beweis dafür, dass er sich nicht nur in den Dienst seiner Freunde stellen kann sondern auch, dass er ein unheimlich freundlicher und liebenswürdiger Zeitgenosse ist.

 

Nachdem das Zakk schließlich dann doch noch gut gefüllt war, konnte es mit den Weakerthans weitergehen. Die vier respektive mit Frau Samson fünf Musiker fügten Lieder ihrer drei letzten Alben nahtlos zusammen, wobei die Höhepunkte sicherlich Aside, Left and leaving und die beiden Katzensongs waren. Vor allem letztere sind ja eigentlich so ein Querschnitt durch das Schaffen der Weakerthans. Sie sind ruhig bzw rockig und bieten textlich genau die richtige Mischung aus “aww” und “yeah”, der die Weakerthans charakterisiert. Je länger das Konzert dauerte, desto euphorischer wurden die Lieder aufgenommen, am Ende sangen wohl alle textsicheren Zuschauer mit geschlossenen Augen mit. Gänsehaut garantierte Without mythologies, ein Lächeln zauberte One great city! auf die Gesichter des Publikums, gefreut wurde sich über Confessions of a futon-revolutionist, ein Lied aus dem zu Unrecht leider missachteten Debütalbum Fallow. Die Weakerthans zeigten sich spielfreudig wie eh und je, große Rockerposen dürften nicht fehlen, sind bei ihnen aber eher charmant als lächerlich. Sie dürfen das eben. Nach zwei Zugaben und dem abschließenden Pamphleteer, das Felix Gebhard sich aus der Ferne anschaute, ging aber auch dieser Abend zuende. Nicht ohne eine Menge leuchtender Augen zurückzulassen und den Wunsch, dasselbe noch mal anzuhören. Konzerte von Lieblingsbands sollten nicht nach 90 Minuten vorbei sein. Gott sei Dank hallen sie aber noch lange im Kopf nach, was nicht nur an dem obligatorischen Pfeifton im Ohr liegt.

 

 

[The Weakerthans Webseite MySpace]
[Home of The Lame Webseite MySpace Fotographien]
[Christine Fellows Webseite MySpace]
[Zakk Webseite]

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