Wenn der Sommer mit der Veröffentlichung von For Emma, forever ago nur der Aperitif war, bekamen Köln und die Gäste des Gebäude 9 nun von Mr Justin Vernon, der sich Bon Iver nennt, den Hauptgang serviert.
Offensichtlich hatte sich sogar das Wetter entschieden, einen passenden Rahmen für den Konzertabend zu liefern. Es schüttete wie aus Eimern und kaum einer schaffte es trockenen Fußes ins Gebäude zu kommen. Vor allem der Weg vom Bahnhof war eine Tortur.
Doch alles nachfolgende sollte mehr als entschädigen.
Denn Bon Iver betrat mit Band die Bühne und ließ mit seinem Albumopener Flume dem Publikum das Wasser im Mund zusammen laufen. Ein guter Auftakt für ein noch besseres Konzert. Wer dachte, dass Vernon live seine Stimme nicht so auf den Punkt bringen kann, wurde eines besseren belehrt. Freunde des Falsetts kamen ungefragt auf ihre Kosten und erlebten einen glänzend aufgelegten Bon Iver. Neben einem Cover wurden in der folgenden Stunde natürlich auch die Hits wie Skinny love und The wolves (Act I and II) ausgepackt.
Dieses Konzert war eines der wenigen, bei denen der Funke vom ersten Augenblick vom Künstler auf das Publikum übersprang. Immer im Hinterkopf hat man bei den Songs die Einsamkeit, aus der sie entstanden sind. Obwohl oder vielleicht auch grade weil das im krassen Gegensatz zu einem Konzert steht, funktionierte das. Die Zuschauer hielten den Atem an und hörten sehr aufmerksam zu, niemand wollte die sehr eigentümliche Atmosphäre mit Zwischenrufen zerstören.
Bon Iver hatte sich gegen den Platz in der Mitte der Bühne entschieden und bezog einen Stuhl an der Seite. Man merkte, dass er sich selber nicht im Mittelpunkt sieht, sondern seine Songs und seine Stimme dort stehen sollen. Trotz allem hatte er eine ganz eigene Ausstrahlung, der man sich nicht entziehen konnte. Jederzeit war er präsent, alle Augen ruhten auf ihm und es gibt wahrscheinlich kaum jemanden, der sich an die anderen Bandmitglieder erinnert, so sehr traten sie in den Hintergrund.
Einziges Manko an diesem Abend war nur der Zwischengang, Anais Mitchell, die als Vorband fungierte und mit Liedern über Mauern mehr verstörte als Sympathien hervorrief.