Kategoriearchive: Review.

Wenn der Sommer mit der Veröffentlichung von For Emma, forever ago nur der Aperitif war, bekamen Köln und die Gäste des Gebäude 9 nun von Mr Justin Vernon, der sich Bon Iver nennt, den Hauptgang serviert. 

 

Offensichtlich hatte sich sogar das Wetter entschieden, einen passenden Rahmen für den Konzertabend zu liefern. Es schüttete wie aus Eimern und kaum einer schaffte es trockenen Fußes ins Gebäude zu kommen. Vor allem der Weg vom Bahnhof war eine Tortur.

Doch alles nachfolgende sollte mehr als entschädigen.
Denn Bon Iver betrat mit Band die Bühne und ließ mit seinem Albumopener Flume dem Publikum das Wasser im Mund zusammen laufen. Ein guter Auftakt für ein noch besseres Konzert. Wer dachte, dass Vernon live seine Stimme nicht so auf den Punkt bringen kann, wurde eines besseren belehrt. Freunde des Falsetts kamen ungefragt auf ihre Kosten und erlebten einen glänzend aufgelegten Bon Iver. Neben einem Cover wurden in der folgenden Stunde natürlich auch die Hits wie Skinny love und The wolves (Act I and II) ausgepackt.

Dieses Konzert war eines der wenigen, bei denen der Funke vom ersten Augenblick vom Künstler auf das Publikum übersprang. Immer im Hinterkopf hat man bei den Songs die Einsamkeit, aus der sie entstanden sind. Obwohl oder vielleicht auch grade weil das im krassen Gegensatz zu einem Konzert steht, funktionierte das. Die Zuschauer hielten den Atem an und hörten sehr aufmerksam zu, niemand wollte die sehr eigentümliche Atmosphäre mit Zwischenrufen zerstören.

Bon Iver hatte sich gegen den Platz in der Mitte der Bühne entschieden und bezog einen Stuhl an der Seite. Man merkte, dass er sich selber nicht im Mittelpunkt sieht, sondern seine Songs und seine Stimme dort stehen sollen. Trotz allem hatte er eine ganz eigene Ausstrahlung, der man sich nicht entziehen konnte. Jederzeit war er präsent, alle Augen ruhten auf ihm und es gibt wahrscheinlich kaum jemanden, der sich an die anderen Bandmitglieder erinnert, so sehr traten sie in den Hintergrund.

 

Einziges Manko an diesem Abend war nur der Zwischengang, Anais Mitchell, die als Vorband fungierte und mit Liedern über Mauern mehr verstörte als Sympathien hervorrief.

 

[Bon Iver Webseite MySpace]

[Gebäude 9 Webseite MySpace]

Im Rahmen der c/o pop fanden in Köln dieser Tage eine Reihe von Events statt: Konzerte, DJ-Sets, Filme und vieles mehr luden zum kurzweiligen Vergnügen in der Domstadt ein. Gleichzeitig ist die c/o pop aber auch Messe für Musikschaffende. Im mittlerweile fünften Jahr geht das Festival in die Vollen und beschert den Besuchern neben elektronischer Musik auch so manchen Künstler aus einem eher entfernt gelegenen Genre.

 

Wie José González. Der schwedische Akustikgitarrist mit argentinischen Wurzeln dürfte ein Konzert auf der MS RheinEnergie spielen.
Nach anfänglichen Unklarheiten über den Beginn der Veranstaltung (der Aufdruck auf den Tickets entsprach nicht dem Timetable der Internetseite) fanden sich die Zuschauer lieber früher als später ein. Was auch gut war, denn das Hauptdeck des Schiffes war bestuhlt. Frei nach dem Motto „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ hatte man dann das Glück relativ weit vorne zu sitzen.

 

Was aber höchstens für die beiden Supports wichtig war. Der eine, Tom Ashcroft, vereinte Musiker, Animateur und Entertainer in einer Person; der andere, Norman Palm, ließ es viel ruhiger angehen, überzeugte aber durch eine ausgefeilte Videoinstallation im Hintergrund. Beide hatten aber eins gemein: man wollte hinsehen, nichts verpassen.

 

Als es dann dunkler wurde, kam die Stunde des José González. Seine Konzerte sind einfach gehalten, kein unnötiger Schnickschnack, kein Gerede. Überraschend auch, dass er offensichtlich Begleitung hatte, später gesellten sich für ein paar Songs ein Bongospieler, ein Trompeter und eine Dame mit Klangholz zu ihm, die ihm auch stimmlich unter die Arme griffen. Nicht, dass er das nötig gehabt hätte.

Pünktlich zu seinem zweiten Lied legte dann auch die RheinEnergie ab und fuhr langsam flussaufwärts an der beleuchteten Rheimpromenade entlang. Man wusste gar nicht, wo man hinschauen sollte. Zur Bühne und zu dem Mann, der schneller auf seiner Gitarre spielen kann als sein Schatten oder nach draußen.
Generell ist es aber so, dass Konzerte des Schweden Kopfkino sind. Man muss nicht zusehen. Augen schließen und zuhören reicht vollkommen. Seine dunkle Stimme dringt durch einen hindurch und mit seiner Gitarre bringt er Trommelfelle zum Vibrieren. Außerdem kann man sich darüber freuen, dass seine Songs so kurz sind, denn so spielt er sich komplett durch seine Alben und niemand vermisst sein Lieblingslied. Besonders frenetisch wurden seine frühen Hits Crosses und Heartbeats begrüßt.

Doch auch das schönste Konzert muss einmal zuende gehen und nach knapp einer Stunde legte die MS RheinEnergie wieder an der Promenade an und entließ die Zuschauer in die Nacht. Sehr zufrieden.

 

 

[José González Webseite MySpace]

[c/o pop Webseite]

Sommerzeit ist Festivalzeit und abseits von Rock am Ring und Rock im Park gibt es jedes Jahr im Juni die beiden Schwesternfestivals Hurricane und Southside. Mit identischem Line-up ziehen sie zusammen mittlerweile mehr als 120.000 Menschen an, wobei es beim Hurricane immer ein paar mehr sind als beim Southside.
Nachdem letztes Jahr der Bühnenbereich erweitert und mit dem Coca Cola-Soundwave Tent das Zelt noch mal vergrößert wurde, fasste das weitläufige Rund des Eichenrings bei Scheeßel noch mehr Feierwütige als vor zehn Jahren beim ersten Hurricane.

 

[Enttäuschung des Festivals] Beatsteaks

Und dabei lag das nicht mal an den Berlinern und ihrer Show. Tonprobleme machten den Zuschauern links und rechts von der Bühne einen Strich durch die Rechnung. Man hörte den Headliner des ersten Tages nur auf Zimmerlautstärke. Eigentlich unfassbar, wenn man bedenkt, was da an Verstärkern und und Boxen um die Bühne herum aufgebaut ist. Dementsprechend war auch die Stimmung. Zwischen jedem Lied erklangen „Lauter! Lauter!“-Sprechchöre, die aber niemanden erreichten. Denn in der Mitte war alles okay, der Sound fett und die Leute feierten und tanzten.
Trotzdem darf so etwas nicht passieren. Geht einfach gar nicht und hinterließ einen faden Beigeschmack am ersten Abend.

[Beatsteaks Webseite MySpace]

 

[Neuentdeckung des Festivals] The Notwist

Definitiv die Überraschung des Festivals für mich. Die Band kannte ich bisher nur vom Namen her und wusste auch gar nicht so richtig, was sie überhaupt macht. Trotzdem beschlossen wir, ihr eine Chance zu geben und gingen hin. Und wie vor genau einem Jahr bei Porcupine Tree fragte ich mich, warum der Veranstalter einer solchen Band ausgerechnet einen Slot mittags geben kann. Post- oder Progrock spielt man nicht in der Mittagshitze, wenn man eigentlich schön Siesta halten sollte. Außerdem hätten auch beide Bands eher etwas mehr Vertrauen verdient gehabt, es wäre der Organisation doppelt und dreifach zurückgezahlt worden.

So war es nicht richtig voll, man konnte bequem stehen oder sitzen und sich das Spektakel in Ruhe ansehen. Heraus kam eine wunderbar entspannende Stunde und die Erkenntnis, dass man sich im nächsten Jahr vielleicht mal alle Bands vorher anhören sollte, um solche Perlen auf keinen Fall mehr zu verpassen.

[The Notwist Webseite MySpace]

 

[Wow-Erlebnis des Festivals] Radiohead

Während einer Regenpause und unzähligen Sturmwarnungen hatte ich die Befürchtung, Radiohead doch nicht sehen zu können. Vor genau zwei Jahren musste auch der damalige Headliner Muse auf Grund sinflutartiger Regenfälle leider ausfallen und ich sah schon das Schlimmste auf mich zukommen. Radiohead waren nämlich der ausschlaggebende Grund, das Festival überhaupt zu besuchen.

Nachdem es aber nur eine kleine Weile geregnet hatte, wurde eifrig umgebaut; es fand also zu meiner Beruhigung statt. Die Bühne hing voller Lichtstäbe, die unterschiedlich von innen heraus beleuchtet strahlen konnten, Instrumente wurden aufgebaut und sogar auf der obersten Trasse der Bühne herrschte rege Betriebsamkeit. Überraschend war allerdings, dass offensichtlich viele Festivalbesucher während des Regens abgereist waren. Es war gradezu leer, man konnte selbst 15 Minuten vor Beginn der Show noch sehr bequem einen Platz in den vorderen Reihen ergattern.

Während von hinten eine mehr als schwarze Wolkenwand Richtung Bühne flog, wurde diese in einem wunderschönen Sonnenuntergang eingehüllt. Blitze zuckten im Rücken, die Sonne strahlte die letzten Wölkchen von unten an; rosa und schwarz als eine gewaltige Naturkulisse. Da kam kurzzeitig etwas Angst auf, jeder sah wohl beim eventuellen Losbrechen des Unwetters einen Abbruch des Konzerts kommen, aber nichts passierte. Das Gewitter zog grade so am Eichenring vorüber, 20km weiter allerdings standen die Keller unter Wasser.

Auf der Bühne selber strahlten die Lichtstäbe, die in allen Farben des Regenbogens leuchten konnten. Wem das nicht Gänsehautstimmung genug war, musste nur zuhören. Radiohead spielten vielleicht nicht die ganz großen Hits, wer das erwartet hatte, wurde sicherlich enttäuscht. Dafür spielten sie bis auf House of cards alle Songs vom neuen Album, vieles von Kid A, zur Versöhnung Lucky. Außerdem gabs eine Menge zu sehen: Instrumentwechsel mitten im Lied. Sachte im Winde wehende Tibetflaggen über dem Piano. Ein krass im Gegensatz zu anderen Liedern stehendes akustisches Faust Arp. Thom Yorke tanzte exstatisch auf der Bühne umher und sorgte damit gleichermaßen für Begeisterung und Belustigung. Splitscreens auf den riesigen Videowänden, die nur die Gesichter der Musiker zeigten, was etwas schade für alle war, die hinten standen und somit nicht wirklich viel sahen. Überhaupt war die Atmosphäre im Publikum unfassbar. Jeder, der laut redete, wurde von den Umstehenden zurecht gewiesen, keiner gröhlte aus voller Kehle mit, nein, irgendwie starrten alle nur ehrfürchtig und gebannt auf die Bühne.

Die Lichtshow, die Videoinstallation, die Organisation, die Pedanterie, mit der jeder Song gespielt wurde und wie sich auf die Sekunde genau alle an einen Plan hielten, zeigt, mit welcher Leidenschaft Radiohead Musik machen. Und daraus ergibt sich auch, wie Musik für den Rezipienten wieder bewusst zu dem wird, was sie eigentlich ist: Kunst.

Zu Recht waren Radiohead Headliner und unterstreichten mit diesem Set ihre Ausnahmestellung. Selten war ich so begeistert und dass, ohne Die Hard-Fan zu sein. Zwar hatte ich mich darauf gefreut, aber meine Erwartungen wurden weit übertroffen.

[Radiohead Webseite]

 

[Ödestes Set des Festivals] Black Rebel Motorcycle Club

Auf diesen Auftritt hatte ich mich gefreut, weil ich BRMC auf ihrer Clubtour verpasst hatte. Im Gras sitzend haben wir die Abendsonne genossen und den Auftritt über die Leinwände angeschaut. Das Wochenende war doch ziemlich hart und weil niemand mehr so richtig Lust auf Wellenbrecher und Enge hatte, fand diese Alternative nicht nur bei uns regen Anklang.

Auf Platte sind die Kalifonier expolsiv, rockig, mitreißend – live auf dem Hurricane leider nur schrecklich langweilig. Die Mischung zwischen den Rock- und den Folksongs war merkwürdig, die Band wirkte genauso blutleer wie das Publikum und Stimmung wollte auch nicht so recht aufkommen. In einem kleinen Club stelle ich sie mir tausend Mal mitreißender vor als an diesem Tag.

[Black Rebel Motorcycle Club Webseite MySpace]

 

[Everybody's darlings des Festivals] The Weakerthans

Die Weakerthans sind eine meiner Lieblingsbands. Immer nett, immer sympathisch, immer gut gelaunt. Bis zu diesem Abend. Denn der konnte John K. Samson und seine Jungs, allen voran Chefroadie Felix Gebhard, nur ein ungläubiges Lächeln auf das Gesicht zaubern. Das Zelt war nach einem umjubelten Auftritt von Tegan and Sarah ziemlich voll, von der Decke tropfte der Schweiß und dieser hat vielleicht auch die Technik zerstört, jedenfalls gab es für die Herren auf der Bühne keinen Monitorsound, dh sie konnten sich selber nicht hören. Nach 20 Minuten Soundcheck ging es dann endlich los, was die Zuschauer begeistert aufnahmen. Einige hatten bereits das Zelt wieder verlassen und sahen sich lieber draußen die Chemical Brothers an.

Enttäuschend für die Weakerthans. Enttäuschend auch, dass die Band trotz Verspätung nicht länger spielten dürfte. Sie wollten, sprachen mit dem Veranstalter, doch der ließ sich nicht davon abbringen, dass nach 2.00 Uhr mit allem schluss sein muss. Daher brachen die Kanadier ihr Set dann auch unter einem Pfeifkonzert ab, das nicht ihnen galt. Musikalisch wurde allerdings niemand enttäuscht. Wieder einmal spielten die Weakerthans ein liebevoll zusammengestelltes Konzert, das viele Fans und Neulinge in Entzücken versetze.

[The Weakerthans Webseite MySpace]

 

Außerdem noch gesehen und für okay befunden:
The Wombats, Sigur Rós, The Subways, Deichkind, Maxïmo Park, Kettcar, Billy Talent, Panic at The Disco und Patrice.

 

Alles in allem war es musikalisch gesehen ein gutes Festival. Nicht wirklich überragend, aber gut. Tonprobleme dürfen meiner Meinung nach bei der Größe dieses Festivals beim Headliner nicht auftreten – und wenn doch, dann schnellstens behoben werden.

Außerdem waren die sanitären Anlagen eine Zumutung. Warum FK Scorpio schreibt, dass die Zustände dort verbessert wurden, ist mir unverständlich: es gab im Vergleich zum letzten Jahr weniger Duschen, Dixiklos wurden auch weniger aufgestellt und nicht zuletzt der Wassermangel gab Grund zum Ärgern. Dazu tendierte die Reinigung der Anlagen gegen Null. Ich hab nie jemanden gesehen, der mal die Toiletten säuberte. Da kann man sicherlich wieder einiges besser machen.

Was die Stimmung auf dem Campingplatz angeht, war oberflächlich alles wie immer: Flunkyballspiele en masse, lustige Aktionen der Mitcamper, Wörter, die aus Bierdosen an den Zaun geschrieben wurden.

Nur der Müll am letzten Abend störte. Offensichtlich schaffen es einige viele nicht, ihre leeren Dosen oder Würstchenverpackungen in eine Mülltüte zu werfen. Teilweise wurden auch Pavillions, Zelte, Isomatten etc einfach auf dem Platz zurückgelassen oder noch besser in eine Tüte verpackt und als Müll abgegeben, um so den Müllpfand von fünf Euro zurück zu bekommen. Ah ja. Wie clever, da muss man sich um seinen Müll nicht kümmern, den räumen schon andere weg und bekommt auch noch Geld wieder. Sollte jemand nicht wissen, was mit dem Begriff Wegwerfgesellschaft gemeint ist, braucht nur mal ein Festival zu besuchen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das auch der Veranstalter nicht mehr lange bieten lässt. Dann werden die Einlasskontrollen schärfer werden und jeder darf nur noch eine begrenzte Menge Bier und Essen mit auf den Platz bringen.

Trotz Security und berittener Polizei gab es am letzten Abend noch Horden von Pfandsammlern, die auch volle Tüten aufmachten und dort nach Dosen- und Flaschenpfand suchten. Diese Leute kamen durch Löcher am Zaun und machten sich auch über Sachen von Besuchern her, die noch gar nicht weg waren.

Einge Festivalbesucher schloßen sich dem an, allerdings in einer anderen Art und Weise. Sie liefen mehr oder weniger raubend und brandschatzend über den Platz und machten alles platt, was sich ihnen in den Weg stellte. Auch, wenn es nicht ihnen gehörte. Da wurden Zelte eingerissen, Sachen beim Nachbarn geklaut, Pavillions umhergeworfen. Ich weiß, Festival ist Festival und kein Kaffee trinken sonntags bei Omma. Aber muss das sein? Blinde Zerstörungswut übersteigt einfach ein paar Grenzen und ist für mich nicht nachvollziehbar.

Schön war dagegen die Stimmung im Partyzelt und beim allabendlichen Fußballgucken daneben. Obwohl das Hurricane im vollen Gang war, gab es genug Fans, die sich die Spiele angeschaut haben. Leer war der Platz vor der Leinwand nie. Public Viewing mit Livemusik im Hintergrund ist einfach auch noch mal tausend mal schöner.

 

[Hurricane Webseite]

Es gibt eine Menge Bands, die gehypt werden, jede Woche kommen durch MySpace, die einschlägige Presse und unzählige Blogs neue daher und man verliert in dieser Flut schon mal leicht den Überblick. Vorletztes Jahr waren Tapes ‘n Tapes so eine Band.

 

Nachdem sie nun mit Walk it off den Zweitling veröffentlicht haben, kann man sich fragen, was unter dem Strich von dem Geheimtipp übriggeblieben ist. Offensichtlich nicht viel, die Halbwertszeit eines Hypes scheint immer geringer zu werden und der trendige Indielektuelle vergisst oder ersetzt seine neue Lieblingsband schnell. Denn beim Konzert im Kölner Gebäude 9 gibt es kein Gedränge, keine vollen Hallen. Nur eine Handvoll Jungs und Mädchen in Röhrenjeans hat sich versammelt. Kommt vielleicht auch daher, dass eben Walk it off nicht so recht zu überzeugen wusste. Wo das Debütalbum noch groß auftrumpfen konnte mit wackeligen und knarzigen Zwischentönen, geht dieser Charme des Schrägen auf dem neuen Album etwas verloren.

Mehr Freunde werden die Tapes ‘n Tapes sich auch nicht im Gebäude gemacht haben. Denn sie bleiben blass und farblos, was aber Gott sei Dank zumindest nicht an ihnen liegt. Der Ton bzw die Probleme damit machen ihnen einen gehörigen Strich durch die Richtung. Warum auch immer, aber der Gesang kann nur dann die Instrumentierung überschallen, wenn Josh Grier in das Mikrofon schreit. Zwar kommt das oft genug vor, lässt die Zuschauer aber auch erst im letzten Drittel des Konzerts aufwachen, wenn Tapes ‘n Tapes ihnen Hits wie Manitoba oder In Houston vor den Latz knallen. Das reicht dann auch einfach nicht.

 

Was die Band dazu sagen würde? Keine Ahnung. Aber in The Iliad singen sie „At least we tried to make it.“ Sie bemühten sich redlich, aber letzten Endes ohne Erfolg.

 

[Tapes 'n Tapes Webseite MySpace]
[Gebäude 9 Webseite]

Manchmal hat man es als Band nicht leicht. Man wird gezwungen, an einem wunderschönen Samstag abend schon um 19.30 Uhr zu beginnen, nur damit der zu bespielende Club ab 23 Uhr seine Pforten für das Partyvolk öffnen kann. Die Frage ist nun, warum man sich auf so etwas einlässt. Und ob das wirklich eine clevere Idee seitens des Veranstalters war. Denn als Christine Fellows die Bühne betrat, waren doch nur sehr wenige Zuhörer da… was aber auch an der EM liegen könnte, die zeitgleich zu den Weakerthans ihr Eröffnungsspiel ins Rennen schickte.

 

Wie dem auch sei, Frau Fellows a.k.a. Mrs John K. Samson präsentierte sich an Gitarre und Keyboard und zog die gut 30 Zuschauer in ihren Bann. Ein erstes winziges Ausrufezeichen, das auf einen entspannten Abend hindeutete. Fellows unterhielt mit ihren folkigen Songs aus unterschiedlichen Alben sehr gut und bat zu einem Song auch den Drummer der Weakerthans auf die Bühne. Ganz ohne Unterstützung geht es dann halt doch nicht.

 

Ihr folgte, man könnte sagen, der Jens Lehmann des Grand Hotel van Cleef, Felix Gebhard. Neuerdings hat er sein Musikprojekt Home of The Lame zu einer Band formiert, dieses Mal verzichtete er aber auf seine Kollegen und präsentierte seine Songs alleine an der Akustikgitarre. Was bei den alten Liedern als Stärke ausgelegt werden kann, nämlich dass sie kaum mehr brauchen als Stimme und Gitarre, war gleichzeitig auch Schwäche der neuen Songs. Man merkt einfach, dass sie für eine Band geschrieben sind und entsprechende Instrumentierung voraussetzen. War aber alles nicht schlimm, Gebhard machte durch seine Art vieles wett und lieferte auch hinterher am Merchstand wieder einmal den Beweis dafür, dass er sich nicht nur in den Dienst seiner Freunde stellen kann sondern auch, dass er ein unheimlich freundlicher und liebenswürdiger Zeitgenosse ist.

 

Nachdem das Zakk schließlich dann doch noch gut gefüllt war, konnte es mit den Weakerthans weitergehen. Die vier respektive mit Frau Samson fünf Musiker fügten Lieder ihrer drei letzten Alben nahtlos zusammen, wobei die Höhepunkte sicherlich Aside, Left and leaving und die beiden Katzensongs waren. Vor allem letztere sind ja eigentlich so ein Querschnitt durch das Schaffen der Weakerthans. Sie sind ruhig bzw rockig und bieten textlich genau die richtige Mischung aus „aww“ und „yeah“, der die Weakerthans charakterisiert. Je länger das Konzert dauerte, desto euphorischer wurden die Lieder aufgenommen, am Ende sangen wohl alle textsicheren Zuschauer mit geschlossenen Augen mit. Gänsehaut garantierte Without mythologies, ein Lächeln zauberte One great city! auf die Gesichter des Publikums, gefreut wurde sich über Confessions of a futon-revolutionist, ein Lied aus dem zu Unrecht leider missachteten Debütalbum Fallow. Die Weakerthans zeigten sich spielfreudig wie eh und je, große Rockerposen dürften nicht fehlen, sind bei ihnen aber eher charmant als lächerlich. Sie dürfen das eben. Nach zwei Zugaben und dem abschließenden Pamphleteer, das Felix Gebhard sich aus der Ferne anschaute, ging aber auch dieser Abend zuende. Nicht ohne eine Menge leuchtender Augen zurückzulassen und den Wunsch, dasselbe noch mal anzuhören. Konzerte von Lieblingsbands sollten nicht nach 90 Minuten vorbei sein. Gott sei Dank hallen sie aber noch lange im Kopf nach, was nicht nur an dem obligatorischen Pfeifton im Ohr liegt.

 

 

[The Weakerthans Webseite MySpace]
[Home of The Lame Webseite MySpace Fotographien]
[Christine Fellows Webseite MySpace]
[Zakk Webseite]